Gott sucht nach einem Menschen

Ein antiker Philosoph lief auf einem Marktplatz mit einer angezündeten
Kerze in der Hand herum. Es war zwar nicht dunkel. Viele Menschen sahen
ihn. Auf die Frage, die die Menschen stellen, was der Philosoph suche,
antwortete er: „ich suche einen Menschen.“ Damit wollte der Philosoph
zeigen, dass man unter den vielen Menschen einen bestimmten Menschen nur
schwer finden kann. Wir finden auch in der Heiligen Schrift solche
Beispiele. In Hesekiel steht, dass Gott einen Menschen sucht, der für
andere in die Bresche springt, damit er die Menschheit nicht zerstören
muss. Interessant ist, dass Gottes Entscheidungen offenbar vom Menschen
abhängen. Am Merkwürdigsten aber ist, dass Gott unermüdlich nach Menschen
sucht.


Als Abraham erfahren hatte, dass Sodom und Gomorrha vernichtet werden
sollten, sagte er nicht: „Naja, es tut mir leid, da ist nichts zu machen.“
Sondern er betete zu Gott. Man kann sogar sagen: „Er hat mit Gott
gefeilscht“. Der HERR war mit dem Handel einverstanden. Ein weiteres gutes
Beispiel ist das Gebet des Mose, als die große Armee von Amalek Israel
bedrohte. Mose hat seine Hände aufgehoben und zu Gott gebetet. Die Folge
war, dass Israel gegen die Übermacht siegte.


Noch ein Beispiel aus der Geschichte Israels. Es war die Zeit, als der
Assyrerkönig Sanherib an der Spitze war. König Hiskia war in einer
schwierigen Situation, denn Jerusalem wurde von einer sehr großen Armee
belagert. Was tat Hiskia? Stellte er seine Armee gut auf? Nein –
tatsächlich sah er im Gebet seine wichtigste Aufgabe. Eigentlich war doch
„gar keine Zeit“ zum Beten. Aber Hiskia traf eine gute Entscheidung. Das
Gebet EINES Menschen half, 185.000 Menschen zu retten.


Wir können sehen, dass das Gebet eine große Macht hat. Im Matthäus 9,35 ff
heißt es:


9,35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren
Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle
Krankheiten und alle Gebrechen.

9,36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren
verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

9,37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind
der Arbeiter.

9,38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte
sende.


Manche Menschen denken, dass Jesus ein unemotionaler Mensch gewesen sei.
Aber wir erinnern uns daran, dass Jesus sogar geweint hat, als ihm die
Situation der Menschen vor Augen geführt wurde. Auch weinte Jesus beim Tod
von Lazarus. Jesus hatte Mitleid mit den Menschen. Und er tat etwas mit
ihnen. Eine unverständliche, merkwürdige Tat. Die „Lösung“ der Probleme
sollte also sein, den HERRN um Mitarbeiter zu bitten. Jesus sagte nicht zu
seinen Jüngern: „Ich brauche ein paar Freiwillige.“ Sondern er sagte, dass
die Jünger Gott bitten sollten – nicht um Lebensmittel oder etwas anderes,
sondern um Mitarbeiter.


Interessant bei diesem Wort ist, dass hier steht, dass Gott offenbar
Arbeiter schickt. Das ist übrigens in der griechischen Bibel das gleiche
Wort wie für „vertreiben“. Wir finden das Wort auch ein drittes Mal in der
Bibel, nämlich als Paulus auf dem Meer ist, und im Sturm alle aufgefordert
werden, alles, was man nicht notwendig braucht, über Bord zu werfen. Dieses
Wort ist genau das gleiche wie das, was Jesus in Bezug auf die zu sendenden
Arbeiter gebraucht.


Manche Missionare haben früher nicht daran gedacht, dass sie später einmal
Missionare werden würden. Ich selbst dachte vor einigen Jahren mit keinem
Gedanken daran. Der Anfang bei mir war so gewesen: Ich bat Gott im Gebet
darum, dass Gott einen Missionar in unsere Stadt senden würden, der unseren
damaligen Missionar, der todkrank war, ersetzen sollte. Zwei Wochen nach
meinem Gebet war ich dann meine eigene Gebetserhörung.


Die Jünger müssen um die Mitarbeiter bitten. Wenn die Zeit der Ausbildung
vorbei ist, sendet Jesus selbst Mitarbeiter in die Ernte. Nach dem Einsatz
kommt der Rapport – dann müssen die Jünger erzählen, was sie alles erlebt
haben. Und Jesus sagt zu den Jüngern, dass sie sich nicht über ihren Erfolg
freuen sollen, sondern dass sie sich darüber freuen sollen, dass ihre Namen
im Himmel angeschrieben sind. Jesus hat in Bezug auf den Dienst die Jünger
niemals gelobt, auch nicht, wenn sie geistlich Hochwertiges getan hatten.
Er sagte den Jüngern vielmehr, dass er gesehen hat, wie der Satan wie ein
Blitz zur Erde gefallen ist.


Vor einiger Zeit hatten wir in Mitteleuropa ein katastrophales Wetter. In
zwei Stunden gab es 67.000 elektrische Entladungen. Menschen kamen ums
Leben. Wenn man den Vers liest, kann man vielleicht verstehen, dass das mit
Satan zu tun hat. Aber ich denke hier anders. Was ist die Verbindung
zwischen dem Satan und einem Blitz? Warum war dieses Beispiel für Jesus
wichtig? Jesus war sehr froh, dass Seine Jünger erfolgreich waren. Die
Jünger dachten aber, dass sie aufgrund des Erfolges etwas seien. Dass ihnen
die bösen Geister untertan wären. Jesus sah einen Stolz in ihrem Herzen.
Und er sagte ihnen, dass er den Satan „wie einen Blitz“ hat fallen sehen.
In der Zeit, als der Satan stolz wurde, wurde er „wie ein Blitz“ aus dem
Himmel entfernt.


Jeder Christ ist heute in der Gefahr, dass sein Leben „zu ruhig“ ist. Er
meint vielleicht, dass er schon errettet ist. Dass er eine gute Gemeinde
hat. Jesus sagt seinen Jüngern, dass sie sich freuen sollen, dass ihre
Namen im Himmel angeschrieben sind. Jeder Christ muss Mitleid haben können
– wie Jesus auch Mitleid gehabt hat. Ich bin sicher, dass ein richtiger
Christ auch Mitleid mit der Gesellschaft heutzutage haben kann. Jesus
schlug eine Lösung des Problems vor: Beten um die Arbeiter, die den
Menschen helfen können.


Beten ist eine Pflicht jedes Christen. Jesus sagte nicht: „Liebe Brüder,
wenn Ihr Zeit habt oder einen Wunsch habt, dann könnt ihr ja beten.“ Wenn
wir Mitleid mit einem Menschen bekommen, dann müssen wir beten. Im 2.
Korintherbrief 9,6 steht, dass wir nur kärglich ernten werden, wenn wir
kärglich säen. Manchmal haben wir eine Anfechtung und möchten nicht beten.
Aber Jesus sagt in Lukas 18,1, dass wir allezeit beten und nicht nachlassen
sollen. Betet, und ihr werdet eine Antwort bekommen. Und denkt nicht daran,
auf welche Weise diese Antwort kommen soll – das ist nicht unsere Aufgabe.
Unsere Aufgabe ist das Gebet – Gottes Aufgabe aber ist die Antwort. Heute
wie damals in der Zeit Hesekiels sucht Gott nach einem Menschen. ER sucht
nach einem Menschen, der diese Gesellschaft verändern kann.


Gehören wir zu diesen Menschen? – Das hängt von uns selbst ab!




von Wladimir Worobjow (Mission für Süd-Ost-Europa)
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